01 · Siebzig Prozent weniger Demenz – in einer Gruppe, die dafür doppelt so oft schwer blutet

Fransquet, Lacaze et al., Monash University, Alzheimer’s & Dementia 2026; 22(9), aufbereitet von ScienceDaily am 25. Oktober 2026, eingeordnet im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober

Die Daten stammen aus ASPREE, einer großen Studie, in der mehr als 13.500 ältere Menschen per Los entweder niedrig dosiertes Aspirin oder ein Scheinpräparat bekamen. Über die ganze Gruppe gab es keinen Schutz vor Demenz. Das Team aus Melbourne hat die Teilnehmer nachträglich nach einem genetischen Wert sortiert, der vorhersagt, wie viele Blutplättchen jemand im Blut hat, also jene Zellen, die eine Wunde verschließen und Gerinnsel bilden. Im obersten Fünftel erkrankten unter Aspirin 1,0 Prozent an Demenz, unter dem Scheinpräparat 3,3 Prozent. Daraus wird die Schlagzeile mit den siebzig Prozent. In derselben Gruppe hatten aber 4,4 Prozent der Aspirin-Nutzer eine schwere Blutung, gegen 2,1 Prozent ohne. Rechnet man in Köpfen statt in Prozenten, sieht es so aus: Von hundert Menschen dieser Gruppe entgehen gut zwei der Demenz, und gut zwei bekommen zusätzlich eine schwere Blutung. Der Größe nach hebt sich das auf, und eine Blutung wiegt nicht wie eine Demenz. Der Erstautor sagt selbst, niemand solle auf Grundlage dieser Arbeit mit Aspirin beginnen, und eine Bestätigungsstudie fehlt. Eine nachträgliche Untergruppe ist eine Spur, kein Beweis. Mich interessiert an ihr vor allem die Rechnung. Ich würde einem Fonds, der mir siebzig Prozent Mehrertrag verspricht, auch zuerst die Frage stellen, wovon, und was er dafür an Schwankung verlangt.

02 · Das Fischöl kam im Gehirn an – und das Gedächtnis blieb, wie es war

Yassine et al., Keck Medicine of USC, eBioMedicine 2026, veröffentlicht am 18. Juni 2026, eingeordnet im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober

365 Menschen zwischen 55 und 80, die selten Fisch essen und ein erhöhtes Alzheimer-Risiko haben, fast die Hälfte trägt APOE4, die bekannteste Genvariante für dieses Risiko. Per Los bekam die eine Hälfte zwei Jahre lang täglich 2.000 Milligramm DHA, den Hauptbestandteil von Fischöl, die andere ein Scheinpräparat, und weder Teilnehmer noch Untersucher wussten, wer was nahm. Nach sechs Monaten lag das DHA im Nervenwasser, der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült, im Mittel um 17 Prozent höher. Der Stoff kam also dort an, wo er wirken soll. Nach zwei Jahren schnitten die Teilnehmer in den Gedächtnistests trotzdem nicht besser ab, und der Hippocampus, die Gedächtnisregion, die bei Alzheimer früh schrumpft, schrumpfte genauso wie unter Placebo. Die Autoren sagen ausdrücklich, das gelte für hochdosiertes DHA als Kapsel und nicht für Fisch auf dem Teller. Ich nehme die Studie, obwohl sie schon im Juni erschienen ist, in diese Woche auf, weil sie das Argument zerlegt, mit dem die meisten Präparate verkauft werden: die Bioverfügbarkeit, also wie viel vom Stoff im Gewebe ankommt. Hier kam genug an. Gefehlt hat offenbar nicht der Baustein, sondern etwas anderes, und das kann keine Kapsel nachliefern.

03 · Die Darmflora sagt die Entzündungswerte besser voraus als das Geburtsdatum

DanFunD-Kohorte, Dänemark, Arbeit in Nature Communications, aufbereitet von Fight Aging! am 19. Oktober 2026, eingeordnet im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober

1.199 Erwachsene zwischen 20 und 72. Für 97 Prozent der gemessenen Zytokine, der Botenstoffe, mit denen sich das Immunsystem verständigt, erklärte die Zusammensetzung der Darmflora mehr von den Unterschieden zwischen den Menschen als ihr Lebensalter. Bei den übrigen Körperwerten waren es 84 Prozent. Menschen mit einem bestimmten Enterotyp, so nennt man die wenigen Grundmuster, in denen eine Bakteriengruppe den Darm dominiert, zeigten entzündliche und ungünstige Stoffwechselprofile bis zu 37 Jahre früher als andere. Ihr Risiko für spätere Erkrankungen lag um 21 Prozent höher. Zur Größenordnung: Wer sonst mit zehn von hundert erkranken würde, läge bei gut zwölf. Das ist eine Beobachtung an einer einzigen Kohorte, kein Beweis für Ursache und Wirkung, und der Effekt ist bescheiden. Die Frage, die sie aufwirft, ist trotzdem grundsätzlich. Wenn das Entzündungsniveau mehr am Milieu im Darm hängt als am Kalender, dann ist ein Teil dessen, was wir Altern nennen, ein Zustand, der sich aufbaut, und Zustände lassen sich beeinflussen.

04 · Zehn Kostformen im Vergleich – und keine gewinnt allein

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Rheinland-Studie Bonn und EPIC-Potsdam, Nature Communications, aufbereitet von ScienceDaily am 20. Oktober 2026, eingeordnet im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober

Bei 6.470 Menschen aus Bonn verglich das DZNE die Qualität der Ernährung mit der epigenetischen Alterung, also mit den Veränderungen an chemischen Markierungen des Erbguts, aus denen sich ein biologisches Alter ablesen lässt. Geprüft wurde das Ergebnis an weiteren 1.034 Menschen aus Potsdam. Nicht eine bestimmte Kost ging mit langsamerer Alterung einher, sondern mehrere gesunde Muster. Die Unterschiede nennen die Forschenden selbst gering, wenn man sie in absoluten Zahlen betrachtet. Was die Leute gegessen haben, beruht auf ihren eigenen Angaben, und bei Rauchern war der Zusammenhang stärker, ohne dass jemand weiß, warum. Eine Beobachtung, kein Rezept. Ich lese sie als Dämpfer für jede Ernährungslehre, die sich als die einzige Wahrheit verkauft. Wer seit Jahren zwischen Low Carb, Fasten und Mittelmeerkost hin und her wechselt, weil er die eine richtige sucht, bekommt hier eine nüchterne Antwort: Es gibt mehrere, und der Abstand zwischen ihnen ist kleiner als der Abstand zu einer schlechten.

05 · Die Quote liegt bei 38 Prozent Alternatives – aber jedes fünfte Büro rechnet mit dem Abschied seines Chefs

Bank of America, Family Office Study 2026 (Befragung durch Escalent), ausgewertet von Alternatives Watch am 20. Oktober 2026, eingeordnet im JBconvest Investment-Report vom 26. Oktober

Family Offices sind die Büros, die das Vermögen einer Unternehmerfamilie verwalten, oft über Generationen. Befragt wurden 355 Entscheider in den USA, überwiegend aus Häusern mit mehr als 500 Millionen Dollar. Im Mittel stecken 37,7 Prozent ihrer Portfolios in Alternatives, also in Private Equity, Immobilien, Wagniskapital, Hedgefonds und privaten Krediten, gut jeder dritte Dollar. 59 Prozent wollen Private Equity aufstocken, bei privaten Krediten sind es nur 41 Prozent. Die Befragung lief im Januar und Februar, also bevor die Rückgabedeckel bei den großen Kreditfonds Schlagzeilen machten. Die Zahl, die mich mehr beschäftigt, steht an anderer Stelle: 21 Prozent rechnen damit, dass ihr Büro-Chef binnen drei Jahren geht. Und dort, wo ein Nachfolger in Sicht ist, erwarten 79 Prozent, dass der Anteil der Alternatives nach dem Wechsel noch steigt. Das Portfolio wird also für Jahrzehnte gebaut, die Führung wechselt im Takt einer Legislaturperiode. Aus meinen Jahren im Geschäft kenne ich die Beobachtung, dass Vermögen seltener an der Anlage scheitern als an der Übergabe. Die Studie misst nur amerikanische Büros. Für eine deutsche Unternehmerfamilie ist die Frage trotzdem dieselbe: Wer versteht in zwanzig Jahren, warum das Geld dort liegt, wo es liegt?

06 · Die Großpharma baut die Alternsforschung nicht auf – sie kauft sie, wenn sie fertig ist

Longevity.Technology, Auswertungen vom 16. und 21. Oktober 2026, eingeordnet im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober

Den großen Pharmakonzernen laufen in den nächsten Jahren Patente aus, also der Schutz, der ihnen erlaubt, ein Medikament allein zu verkaufen. Bis 2028 öffnet sich so eine Umsatzlücke von rund 100 Milliarden Dollar, bis 2032 von 370 Milliarden. Gefüllt wird sie zunehmend durch Zukäufe: 2025 erreichten die Übernahmen in den Lebenswissenschaften 240 Milliarden Dollar, 81 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 65 Prozent der Wirkstoffe in Entwicklung stammen inzwischen aus kleinen und mittleren Biotechfirmen, 2003 waren es 15 Prozent. Aus der Alternsforschung nennt die Auswertung Lilly mit Insilico für 2,75 Milliarden Dollar, Roche und Chugai mit Gero für bis zu eine Milliarde, und das Ende der Zusammenarbeit von AbbVie mit Calico nach elf Jahren. Auf der Wagniskapitalseite fließen inzwischen rund 44 Prozent des Geldes in größere Runden bei weniger Firmen, kleine Gründungen tun sich schwerer. Die Zahlen stammen aus einer einzigen Branchenquelle, und die schreibt selbst, das Muster sei mit ihrer These vereinbar, nicht dadurch bewiesen. Für einen Anleger heißt das: Das Risiko der frühen Forschung trägt das Wagniskapital, die Großpharma zahlt erst, wenn Daten da sind. Wer in dieses Feld investieren will, sollte wissen, auf welcher Seite dieser Übergabe er steht.

Schlussgedanke

Die Woche hat mir eine Unterscheidung geschärft, die ich in beiden Welten zu selten mache: Ziel erreicht ist nicht dasselbe wie Wirkung erzielt. Das Fischöl erreicht das Nervenwasser, das Aspirin erreicht seine Untergruppe, und für den Menschen bleibt am Ende wenig oder ein Patt. Die Darmflora und die Kostformen erzählen dieselbe Geschichte von der anderen Seite: Es zählt das Muster, nicht der einzelne Stoff. Auf der Kapitalseite ist es nicht anders. Eine Quote von 38 Prozent Alternatives beschreibt, wo das Geld liegt. Wie lange es dort sinnvoll liegt, entscheidet der Mensch, der die Quote versteht, und jedes fünfte Büro weiß nicht, wer das in drei Jahren ist. Die Großpharma kauft Forschung erst, wenn sie Daten liefert, also erst nach dem Beweis. Wer für Gesundheit und Vermögen dieselbe Frage stellt, nämlich was am Ende beim Menschen ankommt, fällt seltener auf eine schöne Prozentzahl herein.

Quellen

Fund 1: ScienceDaily zur ASPREE-Genanalyse, Monash University (25.10.2026), Alzheimer’s & Dementia 2026; 22(9) · Fund 2: Newswise, Keck Medicine of USC: Fish oil supplements may not prevent Alzheimer’s-related decline (18.06.2026), eBioMedicine · Fund 3: Fight Aging!, Predicting Inflammation and Disease Risk with Gut Microbiome Composition (19.10.2026) · Fund 4: ScienceDaily zur DZNE-Studie (20.10.2026), Nature Communications, nachgewiesen im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober 2026 · Fund 5: Alternatives Watch zur Bank of America Family Office Study 2026 (20.10.2026), JBconvest Investment-Report vom 26. Oktober 2026 · Fund 6: Longevity.Technology, „Big Pharma isn’t building, it’s buying“ (16.10.2026) und „VC is learning to buy like Big Pharma“ (21.10.2026), nachgewiesen im JBconvest Longevity-Report vom 26. Oktober 2026.