Auf der Packung steht „seit Jahrhunderten bewährt". Vierzig Jahre an den Kapitalmärkten haben mir beigebracht, bei solchen Sätzen zuerst nach dem Prüfer zu fragen. Auch Anlageprodukte waren schon bewährt, bis jemand nachgerechnet hat.
Was man bisher tut
Man lässt Blutbild und Check-up machen, trägt vielleicht einen Tracker am Handgelenk und trinkt abends einen Tee, dem schon die Großmutter vertraut hat. Das ist vernünftig und bleibt es. Wer sich um seinen Körper kümmert, ist auf dem richtigen Weg.
Was der Befund nicht erklärt
Der Befund beantwortet eine enge Frage: Wie sieht das Blut gerade aus? Warum der Schlaf nicht mehr erholt oder der Nachmittag früher leichter war, beantwortet er nicht. Das Blutbild ist ein Spiegelbild, keine Erklärung. Dahinter liegt das weite Feld der Selbstregulation, in dem auch Pflanzenstoffe ihren Platz haben, als Signale an die Zelle und nicht als Zaubertrank.
Viele Menschen, die Betriebe und Termine mit Präzision führen, fragen sich still, warum die Kraft nachlässt. Der Enkel will auf dem Boden spielen, und man bleibt lieber sitzen. Nach außen sieht das alles gut aus. Von innen sieht es so toll gar nicht aus, wie man sich verkauft.
Die Spur und der Beleg
Ende der 1960er Jahre suchte Tu Youyou in der traditionellen chinesischen Kräutermedizin nach einem Malariamittel. Ein Extrakt aus dem Einjährigen Beifuß lieferte zunächst uneinheitliche Ergebnisse. Erst nach erneutem Studium alter Texte gelang ihr, den Wirkstoff gezielt herauszulösen, das spätere Artemisinin. Für diese Entdeckung erhielt sie 2015 die eine Hälfte des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin. Das alte Wissen war die Spur. Der isolierte Wirkstoff mit nachgewiesener Wirkung war der Beleg.
Die Gegenprobe liefert Taiwan. Ein Team um Chung Hsin Chen und Arthur Grollman untersuchte 151 Patienten mit Krebs der oberen Harnwege. Die Autoren folgerten, dass die Aufnahme von Aristolochiasäure, einem starken Karzinogen aus Osterluzei-Pflanzen, erheblich zur Häufigkeit dieser Krebsart in Taiwan beiträgt (PNAS 2012). Zuvor hatte ein Team um Vanherweghem 1993 im Lancet über eine rasch fortschreitende Nierenvernarbung bei jungen Frauen berichtet, die mit einer Schlankheitskur samt chinesischen Kräutern zusammenhing. Auch die Osterluzei galt einmal als Heilwissen.
Beide Geschichten zeigen dasselbe. Entscheidend ist, ob jemand den Stoff kennt, der in der Zelle ein Signal setzt, und weniger, wie alt das Rezept ist.
Meine Haltung
Ich habe für mich selbst gesucht und etwas gefunden. Stillstand ist für mich kein Zustand, ich entwickle es weiter, gern gemeinsam mit anderen. Ich bin dankbar, dass mein Körper noch funktioniert, und ich habe im Laufe meines Lebens auch schon ziemlich einschneidende Veränderungen erleben müssen. Das macht aufmerksam. Von den Beschwerden um mich herum nehme ich mich nicht aus.
Es geht zutiefst um Veränderung und darum, dabei unterstützt zu werden. Das Stichwort heißt Eigenverantwortung. Wer Verantwortung für Betrieb, Kapital und Familie übernimmt, kann sie auch für den eigenen Körper übernehmen, und er bekommt dabei Begleitung. Dazu gehört, ehrlich zu sich selbst zu werden und sich wieder ernst und wichtig zu nehmen, denn wer für alles Verantwortung trägt, nimmt sich selbst oft als Letzten wichtig. Man kann Gesundheit zum eigenen Hobby machen, mit derselben Sorgfalt, die man im Beruf allem widmet, was einem etwas bedeutet.
Die Packung nennt das Alter des Rezepts. Zur Dosis schweigt sie. Jahrhunderte sind eine lange Zeit, als Studiendesign hat sie aber bisher niemand durchgehen lassen.
Quellen (Prüfdatum 26.10.2026): Chen CH, Dickman KG, Moriya M, Zavadil J, Sidorenko VS, Edwards KL, Gnatenko DV, Wu L, Turesky RJ, Wu XR, Pu YS, Grollman AP: Aristolochic acid-associated urothelial cancer in Taiwan. PNAS 2012;109(21):8241-8246. DOI 10.1073/pnas.1119920109 (Abstract über Universitätsverzeichnis geprüft). · Vanherweghem JL, Tielemans C, Abramowicz D, et al.: Rapidly progressive interstitial renal fibrosis in young women: association with slimming regimen including Chinese herbs. Lancet 1993;341(8842):387-391. DOI 10.1016/0140-6736(93)92984-2. · Nobelprize.org: The Nobel Prize in Physiology or Medicine 2015, Pressemitteilung, Tu Youyou. · Journal-Artikel: slow-aging-vital.de/journal-pflanzenheilkunde-was-altes-wissen-heute-leistet.html